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Bosnien-Herzegowina


Die toten Seelen von Srebrenica PDF Drucken
Thomas Schmid - DIE ZEIT 07.07.2005 Nr.28

Zehn Jahre danach: Die Stadt des größten Massakers in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg sucht verzweifelt nach einer Zukunft

Ein schwarzes Kostüm mit burgunderroten Tressen, zwischen den ausgestreckten Händen ein feuerrotes Tuch: Ahmo Begic dirigiert einen Kolo. Sechs in Tracht gekleidete Mädchen führen den traditionellen serbischen Reigentanz auf. An den Tischen im gefüllten Saal wird Bier und Wein getrunken und Sliwowitz, serbischer Pflaumenschnaps. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Ort der Aufführung: ein heruntergekommenes Hotel in Srebrenica, einem Städtchen, das bis vor zehn Jahren kaum jemand kannte. Doch in Srebrenica wurde furchtbare Weltgeschichte geschrieben. Bosnische Serben erschossen hier 8.000 bosnische Muslime. Es war das schlimmste Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. »Mögen die Tränen der Mütter zum Gebet werden, damit Srebrenica nie wieder geschieht, niemandem und nirgendwo«, steht auf einem Gedenkstein am großen Friedhof im nahen Potocari, wo die Opfer begraben sind.
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Heimkehr in die Fremde PDF Drucken
Thomas Schmid - © DIE ZEIT 1998
Tausende von Flüchtlingen sind seit dem Dayton-Abkommen nach Bosnien zurückgekehrt. Noch versperren die ethnischen Grenzen des Krieges vielen den Weg in ihre Heimatorte. Nun wird sich entscheiden, ob Todfeinde wieder Nachbarn werden

Eine Stadt im Wartestand. Sanski Most döst vor sich hin. Sommerliche Hitze. Der Verkehr fließt spärlich. Nirgends Geschäftigkeit. Nur in den Straßencafés ist wie immer jeder Tisch besetzt. Damir sitzt den Tag in einem Restaurant an der Sana-Brücke ab. Er bestellt den dritten türkischen Kaffee. Sein Deutsch ist gut genug, um falsche Grammatik genau an der richtigen Stelle einzusetzen. "Ich wurde freiwillig zurückgekehrt", sagt er.
Zweimal ist die Front über diese Stadt hinweggerollt. Nach Ausbruch des Krieges, in dem 1992 serbische Verbände 30000 Muslime und Kroaten aus Sanski Most verjagten und drei Jahre später die bosnische Armee 28000 Serben vertrieb, nach Ausbruch dieses Krieges war Damir geflohen und in Heidenheim auf der Schwäbischen Alb untergekommen. Im Juni kehrte der 24jährige Mechaniker zurück. Freiwillig, sofern man von freiem Willen sprechen kann bei einem Menschen, dem ab 1. Juli die Abschiebung gedroht hätte. Tausend Mark Rückkehrhilfe hatte er auf diese Weise noch mitnehmen können.
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Nackter Terror gegen wehrlose Geiseln PDF Drucken

Thomas Schmid, DIE TAGESZEITUNG, 20.07.1992



Täglich werden in der von serbischen Freischärlern umzingelten bosnischen Hauptstadt Menschen von Granaten getötet, Heckenschützen schießen auf alles, was sich bewegt. "Gebt uns Waffen", so die verzweifelte Forderung.



Der Bauch des Ungetüms öffnet sich, lange bevor es zum Stillstand gekommen ist. Es muß alles schnell gehen, auf dem Flughafen von Sarajevo. Flugkapitän Vollmann will seine Mannen nicht länger als nötig der Gefahr aussetzen. Die Stellungen serbischer Freischärler sind nur hundert Meter von der Rollbahn entfernt. Zwar sind entlang der Piste weiße Panzer der UN-Truppen eingebuddelt, doch Schutz bieten die Blauhelme nur begrenzt. So werden die zehn Tonnen Mehl in aller Eile ausgeladen. Und nach knapp einer halben Stunde hebt die gepanzerte Transall wieder ab. Zurück bleibt ein halbes Dutzend Journalisten, irgendwo zwischen zwei Aeroflot-Maschinen aus der Ukraine und einem Lufttransporter aus der Türkei. Vor dem zerschossenen Terminal herrscht emsiges Treiben. Überall kurven weiße Fahrzeuge der UNO, rasseln Schützenpanzer mit aufgepflanztem Gewehr und der blauen Fahne, Generatoren rattern.

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"Auch bei uns ist schon Krieg" PDF Drucken

Thomas Schmid, DIE TAGESZEITUNG, 10.10.1991


Der Drei-Völkerstaat Bosnien-Hercegowina - Opfer des jugoslawischen Bürgerkrieges


Ein Verteidigungsminister, der sich unheimlich freut, wenn Leute seiner eigenen Republik aus der Armee desertieren, ist gewiß keine alltägliche Erscheinung. Jerko Dokos Gefühle sind so unverständlich nicht: Die Einheiten, aus der die jungen Soldaten ausbüchsen, stehen zwar in seiner Republik Bosnien-Herzegowina, sind aber nicht ihm, dem Verteidigungsminister in Sarajewo, unterstellt, sondern der Bundesarmee und dem jetzt serbisch kontrollierten Staatspräsidium. Jerko Doko, der Verteidigungsminister ohne Armee, ist im übrigen Kroate.

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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid