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Spanien


Die Russen kommen PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung08.04.2014


Mallorca ist gerade beim Mittelstand aus dem Osten beliebt. Den Einheimischen ist es recht, das bringt Geld auf die Insel

SANTA PONÇA. Der Ort ist nicht schön, auch nicht hässlich. Santa Ponça, 20 Kilometer von Palma de Mallorca entfernt, hat keinen Charme. Die Stadt ist geschichtslos, noch keine hundert Jahre alt. Nur eine Säule erinnert an den Ort unweit des heutigen Jachthafens, an dem sich hier Geschichte abgespielt hat, an dem im Jahr 1229 Jakob I., König von Aragón, mit einer Streitmacht an Land ging, um die Araber zu vertreiben und die Insel von muslimischer Herrschaft zu befreien.

Doch diese Geschichte kennt hier kaum jemand. Die Menschen, die sich hier in den vergangenen Jahrzehnten angesiedelt haben, suchten Sonne, Meer und ein bisschen Nachtleben. Überall in der Stadt stößt man auf Schilder in deutscher Sprache: "Deutsche Arztpraxis", "Rechtsanwälte", "Typisch deutsche Küche", "Pediküre", "Nagelmodellage", "Kosmetikbehandlungen". 2010 eröffnete das deutsche Model Daniela Katzenberger, dem Fernsehpublikum bekannt durch ihre Teilnahme an Reality-TV und Doku-Soaps, über dem Felsband direkt an der Küste ihr "Café Katzenberger". Ein Jahr später folgte ihr der Schlagersänger Jürgen Drews, dessen Bistro "König von Mallorca" nur wenige Hundert Meter entfernt mit deutschen Tapas wirbt.
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In die Freiheit abgeschoben PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 30.09.2010

Die kubanische Regierung hat in den vergangenen Wochen Dutzende von Dissidenten aus der Haft entlassen. Sie mussten emigrieren. Einige von ihnen beginnen nun ein neues Leben in Spanien

Paris hat den Eiffelturm, Rom das Kolosseum. Aber was hat schon Madrid? Wenn Pablo Pacheco von Madrid geträumt hat, dann dachte er immer an das Bernabéu-Stadion, das 80000 Zuschauern Platz bietet, das Stadion von Real Madrid, seinem Lieblingsverein. Zum Träumen hatte er viel Zeit. Pacheco saß über sieben Jahre in kubanischen Gefängnissen. Nun ist er vierzig und zum ersten Mal im Ausland - in Madrid . Er steht vor dem riesigen Betonklotz und blinzelt gegen das Sonnenlicht an. Das Stadion sieht ziemlich genau so aus, wie er es sich ausgemalt hatte. Was er sich allerdings nicht vorstellen konnte: Allein ein Besuch der Sportanlage an spielfreien Tagen kostet 22 Euro. So viel verdient in Kuba ein Chefarzt im Monat.
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Im Bann von Axt und Schlange PDF Drucken
Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 07.08.2009

Das Baskenland ist dabei, sich von den Ideen der ETA zu lösen - in einigen Dörfern jedoch gelten die Terroristen als Helden


OIARTZUN. Ein Kalb rennt mit gesenktem Kopf auf die Schüler los, droht sie auf die Hörner zu nehmen. Doch die Kinder retten sich im letzten Moment kreischend mit einem Sprung über den Zaun. Weiter unten im Dorf findet eine Sokatira statt, Tauziehen - sechzehn junge Männer zerren an einem dicken Seil, acht in die eine, acht in die andere Richtung. Wer die gegnerische Mannschaft über eine Linie zieht, hat gewonnen. Nach den Männern sind die Frauen dran. Unter den Arkaden des Rathauses tanzt derweil eine Gruppe von Jungen und Mädchen einen Aurresku. Bald schnellt das linke Bein in die Höhe, bald kreisen die gestreckten Zehen des rechten Fußes über dem Pflaster. Es ist ein alter baskischer Tanz. Oiartzun, ein Dorf im hügeligen Hinterland von San Sebastian, feiert den Tag seines Schutzpatrons.
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Ein ganz neues Leben PDF Drucken
Von Thomas Schmid - © DIE ZEIT, 02/2000

Ein Stacheldrahtzaun an der Nordspitze Marokkos trennt Afrika von Europa. Tausende versuchen, ihn zu überwinden. Sie haben alles hinter sich zurückgelassen. Sie wollen von vorn anfangen

Europa beginnt in Afrika. Es beginnt an dessen Nordspitze: in Ceuta, der spanischen Exklave an der marokkanischen Küste. Europa ist in Afrika die Hoffnung für Hunderttausende. Fast 2000 Menschen aus fernen Ländern jenseits der Sahara haben es geschafft.
Quer durch die Wüste haben sie sich bis Ceuta durchgeschlagen, das auf der Landzunge unmittelbar gegenüber dem Felsen von Gibraltar liegt. Meist sind es Männer, junge, mobile Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren. Sie kommen aus Nigeria, Guinea, Sierra Leone, Liberia, Kamerun, Kongo-Brazzaville und Kongo-Kinshasa. Jetzt stehen sie fest auf dem Boden der Europäischen Union.
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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid