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Frankreich


Der Dschihadist, der keiner ist PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 19.01.2015


Zweieinhalb Jahre war Mourad Benchellali in Guantánamo interniert. Wegen seiner Naivität, sagt er. Heute kämpft er darum, Jugendliche von ihrem Weg in den Islamismus abzubringen. Dort, wo sie besonders gefährdet sind - in Vénissieux, Frankreichs Hochburg der Salafisten.


VENISSIEUX. Die Geschäfte laufen schlecht und die Zukunft sieht düster aus. "Immer weniger wollen in heimatlicher Erde bestattet werden", klagt Ali K. , füllt zwei Tassen Tee und greift zur Zigarette, die er sich hinters Ohr geklemmt hat. Die kleine Firma, die ihn beschäftigt, bietet eine besondere Dienstleistung an: die Überführung von Leichen nach Algerien. "Gewiss, so ein Transport kostet eine Stange Geld", sagt der 45-Jährige, "aber das ist nicht das Problem, nein, immer mehr wollen hier beerdigt werden, weil ihre Verwandtschaft zum großen Teil hier lebt." Ali K. ist Franzose, aufgewachsen in Frankreich, geboren sieben Jahre, nachdem das Land seiner Väter die Unabhängigkeit erlangte. Wenn er selbst von den anderen, den französischen Franzosen spricht, sagt er: "Die Weißen". Und für die ist er schlicht ein Araber.



Khalida, seine Tochter, 17, trägt ein Kopftuch und schweigt. Ihr Bruder Ahmed, 15, nestelt an seinem Kapuzenpulli und mault: "Ich bin Algerier." Sein Vater lächelt milde und sagt: "Du sprichst ja nicht einmal Arabisch." Ahmed antwortet nur: "Jedenfalls habe ich nicht geschwiegen." Wie viele seiner Schulkameraden hat er die vom Staat angeordnete Schweigeminute für die ermordeten Mitarbeiter von Charlie Hebdo nicht mitgemacht. "Sie haben den Propheten beleidigt", schiebt er als Begründung nach. An der Wand hängt ein Bild der Kaaba, des schwarzen Steins von Mekka, des zentralen Heiligtums im Islam. Daneben, unter der algerischen Flagge, ein Porträt von Ali K.s verstorbenem Vater, mit Gewehr. 1938 geboren, hatte er als Bauernjunge auf Seiten der algerischen Befreiungsbewegung gekämpft. Er war Mudschaheddin, wie es damals hieß.

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Die vergessenen Soldaten PDF Drucken
Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 13.03.2014



Im südwestfranzösischen Dörfchen Buglose erinnern sich nur noch wenige Alte an das Lager, in das die Wehrmacht afrikanische Männer sperrte. Nun kämpft eine Gruppe von Rentnern dafür, dass endlich auch der Kriegsgefangenen aus den französischen Kolonien gedacht wird.



Schuld ist "Klaus". Wenn "Klaus" nicht gewesen wäre, stünden sie jetzt nicht hier mit Pickel, Spaten und Vesperbrot. Wenn "Klaus" nicht gewesen wäre, hätte die kleine Gruppe von Rentnern gar nicht zusammengefunden. "Klaus" kam vor fünf Jahren vom Golf von Biskaya herüber, durchquerte Südfrankreich, um durch die Straße von Bonifacio, die Korsika und Sardinien trennt, zu entschwinden. Der Wirbelsturm hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Beim Dörfchen Buglose, zwei Autostunden südlich von Bordeaux, bekannt für seine Wallfahrtskirche, entwurzelte er sämtliche Bäume. Er legte altes Gemäuer frei, das überwuchert im Wald versteckt lag, in einem Wald, den es nun nicht mehr gibt.
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Les soldats oubliés PDF Drucken
Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 13.03.2014

Dans le petit village de Buglose, situé au sud-ouest de la France, seuls quelques anciens se souviennent encore du camp dans lequel la Wehrmacht emprisonnait des hommes africains. Désormais, un groupe de retraités se bat afin que l’on se souvienne enfin des prisonniers de guerre issus des colonies françaises.

Tout est la faute de « Klaus ». Sans « Klaus », ils ne seraient pas là aujourd’hui, munis de piolets, de bêches et d’un casse-croûte. Sans « Klaus », le petit groupe de retraités ne se serait jamais rassemblé. « Klaus » arriva du Golfe de Biskaya il y a cinq ans. Il traversa le sud de la France pour finalement disparaître sur la route de Bonifacio qui sépare la Corse et la Sardaigne. Sur son passage, l’ouragan dévasta la région. Vers le petit village de Buglose, situé à deux heures de route au sud de Bordeaux et connu pour sa basilique Notre-Dame de Buglose - lieu de pèlerinage, l’ouragan déracina tous les arbres. Il rendit ainsi visibles les vieilles murailles qui, jusque-là, étaient restées dissimulées par la forêt – forêt qui, désormais, n’existe plus.

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"Komplizen, könnt ihr ruhig schlafen?" PDF Drucken


Von Thomas Schmid, DIE WELTWOCHE, 27.03.2002, Nr. 13*

Ein Mann wird zu Tode geprügelt, viele sehen zu, niemand will darüber reden: In der französischen Kleinstadt Evreux regieren brutale Jugendbanden. Und Frankreich hat ein Wahlkampfthema.

Als Jimmy die beiden Jungs, die ihm den Weg versperrten, wahrnahm, war es bereits zu spät. „Rück die Tasche raus“, zischte der eine. Jimmy dachte an sein Geld und an sein Handy, das er im Sportsack trug – da ging er schon zu Boden. Zum Glück eilte ihm Mathieu, sein Cousin, zu Hilfe. Es kam zu einer Prügelei. Zwei gegen zwei. Die Angreifer zogen Leine, drohten ihm aber: „Morgen entwischst du uns nicht.“

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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid